• Wenn Großeltern die Enkel verwöhnen, bekommen Eltern oft Probleme

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    Großeltern sind ein Segen – und manchmal scheinen sie auch ein Fluch zu sein. Mühsam anerzogenes Verhalten der lieben Kleinen wird von ihnen annulliert.

    Liebe Großeltern - freche Kinder?

    Liebe Großeltern – freche Kinder?

    Kennen Sie das auch? Tagein, tagaus trainieren Sie mit Ihrem Kleinkind, das man die Wurst nicht einfach vom Brot zupft und anschließend den Rest stehenlässt. Und dann kommen Oma und Opa daher, rupfen die Wurst vom Frühstücksbrot und reichen es dem geliebten Enkelkind, weil das arme, kleine Wesen doch gar keine Lust hat, das ganze Butterbrot zu essen! Oder: Sie haben sich geschworen, Ihr Kind von Anfang besonders gesund zu ernähren und ihm nur sehr wenig Süßigkeiten anzubieten. Dann kommen Oma und Opa und überhäufen den geliebten, kleinen Spatz mit Milchschnitte, Fruchtzwergen und Gummibärchen!

    Eltern und Großeltern sind zwei verschiedene Paar Schuhe

    Unweigerlich stellt sich den Kleinkindeltern die Frage: Warum sind meine Eltern heute so anders, als sie es damals zu mir waren? Früher waren sie viel strenger, hatten ihre Prinzipien. Und heute scheinen sie es sich in den Kopf gesetzt haben, alle Erziehungsprinzipien über den Haufen zu werfen! Oder man fragt beim Besuch der Schwiegereltern ganz verwundert seinen Partner: „Hast du früher zu Hause auch zwischen allen Mahlzeiten Gummibärchen und Schokolade gegessen?“ Doch der Partner schüttelt verneinend den Kopf und erinnert sich wehmütig daran, dass früher die Schokoladentafeln im höchsten Schrankfach aufbewahrt wurden, auf das er keinen Zugriff hatte.

    Es scheint einfach in der Natur der Sache zu liegen, dass Großeltern sich ganz anders verhalten, als Eltern. Zumindest in den meisten Fällen. Oma und Opa haben einen Hang dazu, die Enkel zu verwöhnen. Egal, ob das den Mamas und Papas sinnvoll erscheint oder nicht.

    An seltenen Besuchstagen der Großeltern: Locker bleiben, liebe Eltern!

    Vor allem dann, wenn die Großeltern weiter entfernt wohnen und ohnehin eher selten zu Besuch sind, ist die beste Empfehlung an die Eltern: Locker bleiben! Kleine Kinder können sehr gut zwischen Eltern und Großeltern unterscheiden, die Erziehung wird durch einige Ausnahmen an Großeltern-Besuchstagen nicht zunichte gemacht. Nur, wenn wirklich jedes gesunde Maß überschritten wird, gilt es, den eifrigen Großeltern freundlich, aber bestimmt, Grenzen zu setzen. Ein ständiges Einschreiten der Eltern aber sorgt nur für Stress und vielleicht sogar Streit an den raren Besuchstagen. Gönnen Sie Ihren Kindern einfach diese besondere Zeit, denn wer weiß, wie lange sie ihre Großeltern überhaupt noch haben werden! Wenn Oma und Opa sehr weit entfernt wohnen, dann gilt es oft sogar, die Beziehung zwischen Enkelkindern und Großeltern ganz besonders zu fördern.

    Was aber, wenn die Großeltern ständig da sind?

    Wenn Oma und Opa in der Nachbarschaft oder sogar in demselben Haus wohnen, dann gestaltet sich die Thematik weniger einfach. Denn oft geschieht es dann, dass die Erziehungsarbeit der Eltern richtiggehend untergraben wird. Ein „Nein“ das Papas bedeutet dann für das Kind: Ich frage mal den Opa, der erlaubt es bestimmt! In einer solchen Situation ist eine klärende Familienkonferenz die vernünftigste Lösung. Hierbei sind die Emotionen möglichst im Zaum zu halten, damit ein sachliches Gespräch entstehen kann. Unterbreiten Sie als Eltern den Großeltern den Vorschlag, gemeinsam einen Plan zu erarbeiten, wie sie in der Erziehung zusammenarbeiten können, ohne dass Oma und Opa ihren besonderen Status ganz verlieren.

    Wie mit den Großeltern reden?

    Um im klärenden Gespräch zwischen Eltern und Großeltern weitere Verletzungen und Streitigkeiten zu vermeiden, ist nicht nur der Tonfall entscheidend. Überhäufen Sie bitte Oma und Opa nicht mit Vorwürfen in der Art: „Ihr macht meine ganze Erziehung kaputt!“ oder „Ihr seid Schuld daran, dass mein Kind zu dick wird!“. Sprechen Sie vielmehr darüber, was Sie sich selbst sich für Ziele gesetzt haben und wie Sie daran arbeiten, diese zu verwirklichen. Bitten Sie die Großeltern um ihren eigenen Erziehungsbeitrag, würdigen Sie dabei aber auch ihre liebevolle Zuwendung zu ihrem Kind.

    Es macht Sinn, das Ergebnis des Familiengesprächs schriftlich festzuhalten. Vielleicht machen die Großeltern eigene Vorschläge, was sie verändern können. Bestimmte Grundsätze sollten in jedem Fall festgehalten werden, wie beispielsweise: Wenn die Eltern „Nein“ gesagt haben, dann sagen die Großeltern nicht „Ja“. Oder: „Vormittags und abends vor dem Zubettgehen gibt es keine Süßigkeiten“. Oma und Opa sollten aber nicht zu einem zweiten Elternpaar werden, sondern sich weiterhin in ihrer Art unterscheiden dürfen. Falls Sie selbst liebevolle Großeltern gehabt haben, dann erinnern Sie sich bitte daran und gönnen Ihren Kindern die ganz besondere Zeit mit Oma und Opa!

    Keine Einigung in Sicht zwischen Eltern und Großeltern…

    Wenn es ständig Streit zwischen nah zusammen wohnenden Eltern und Großeltern gibt und trotz aller Gesprächsversuche keine konstruktive Einigung in Sicht ist, dann hilft nur noch eines: Räumlichen Abstand nehmen und die Kontakte reduzieren. Zumeist ist dies gar kein einfacher Schritt, doch die einzige Möglichkeit zu einer stressärmeren Beziehung. Den Kontakt zwischen Enkeln und Großeltern völlig zu unterbinden, ist nur in seltenen, extremen Ausnahmefällen (beispielsweise bei häuslicher Gewalt oder exzessivem Drogenmissbrauch seitens der Großeltern) ratsam. Denn eines ist sicher: Großeltern tun den Kindern einfach gut!

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