• Wenn das Kind nicht trocken wird

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    Manche Kinder werden trotz aller gut gemeinter Hilfestellung nicht trocken – oder sie sind kurzzeitig trocken und erleiden einen Rückfall. Was kann helfen?

    Mein Kind wird nicht trocken

    Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

    Copyright: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

    Mit etwa drei Jahren werden die meisten Kinder trocken. Auch, wenn es bei dem ein oder anderen etwas länger dauert, vertrauen Eltern in der Regel darauf, dass es schon bald mit dem regelmäßigen Toilettengang klappen wird. Ist das Kind schon vier Jahre alt und trägt immer noch Windeln oder nässt regelmäßig ein, dann werden die Eltern oft schon nervös. Bei Vierjährigen kann das Einnässen jedoch auch noch ganz normal sein, dann ist der Sohn oder die Tochter wahrscheinlich einfach etwas spät dran. Ein Besuch beim Kinderarzt klärt zur Sicherheit, ob organisch alles in Ordnung. Wenn ein mittlerweile (fast) Fünfjähriges aber immer noch einnässt, dann stimmt ziemlich sicher etwas nicht.

    5 Jahre und nicht trocken – was nun?

    Ein extrem spätes Trockenwerden hat in vielen Fällen organische Ursachen. Die Hintergründe sind häufig eher harmlos und durchaus therapierbar. Meistens liegt eine Reifeverzögerung der Blase vor, das bedeutet, dass der körperliche Reifungsprozess einfach noch nicht abgeschlossen ist. Der Kinderarzt wird wahrscheinlich einen Urintest und einen Blasen- und Nierenultraschall durchführen. Beim Ultraschall prüft er, ob nach dem Toilettengang noch nennenswerter Restharn in der Blase verbleibt. So stellt der Arzt fest, ob eine genügende Blasenkontrolle vorliegt. Eventuell wird der Kinderarzt Ihr Kind zusätzlich an eine ambulante Einrichtung überweisen, die eine Uroflowmetrie durchführen kann.

    Was ist Uroflowmetrie?

    Die Uroflowmetrie ist nicht belastend für Ihr Kind. Ihr Sohn oder Ihre Tochter setzt sich dafür auf eine Art Toilettenstuhl und entleert dort seine Blase. Der Arzt misst den Urinstrahl und kann so eventuelle Blasenentleerungsstörungen feststellen. Ein so genanntes „Miktiationsprotokoll“ erleichtert die Diagnose: Hierbei handelt es sich um eine Art Blasenprotokoll, das die Eltern zu dem Untersuchungstermin mitbringen müssen. Das Protokoll zeigt die Trink- und Urinmengen des Kindes, notiert an etwa zwei bis drei verschiedenen Tagen.

    Diagnose: Reifeverzögerung der Blase

    Stellt der Arzt die Diagnose „Reifeverzögerung der Blase“, dann folgt in der Regel eine medikamentöse Behandlung. Bekannt sind beispielsweise die relativ nebenwirkungsarmen „Mictonetten“, die das Kind über mehrere Monate, manchmal auch ein ganzes Jahr lang, einnehmen muss. Die Tabletten unterstützen die Reifung der Harnblase. In einigen Fällen kann zusätzliche Physiotherapie helfen: Die Galileo Trainingsplattform, eine vibrierende Platte, unterstützt die Stärkung der Beckenbodenmuskeln.

    Psychische Probleme verhindern das Trockenwerden

    Wenn die Ärzte keine organischen Ursachen für das regelmäßige Einnässen finden, dann könnte Ihrem Kind eine Verhaltenstherapie helfen. Hierbei macht der Therapeut dem Kind den Toilettenbesuch durch individuell ausgerichtete Belohnungssysteme schmackhaft. Auch die Tiefenpsychologie bietet Hilfsmöglichkeiten: Beraten Sie sich mit Ihrem Kinderarzt, um die für Sie passende Therapieform auszuwählen. Behalten Sie in Ihrer Zeitplanung die nahende Einschulung im Auge, doch setzen Sie sich und Ihr Kind nicht unter Druck. Viel Glück beim Trockenwerden!

    Eine sehr informative Webseite zum Thema Bettnässen bietet die „Initiative Trockene Nacht“.

    Wichtig: Dieser Artikel stellt keine verbindliche medizinische Beratung dar und ersetzt keinen Besuch beim Kinderarzt.

2 Responsesso far.

  1. René sagt:

    Ich glaube, heute gehen Eltern zu viel und vor allem zu früh gleich zum KA. Einfach mal mit viel Liebe und Vertrauen den Kindern und eben „der Natur“ ihren Lauf lassen. Durch diese ganzen Anlysen, Untersuchungen usw. wird doch nur unnötiger Druck aufgebaut, der dann zu den im letzten Abschnitt aufgeführten Problemen führt.

    Ich selber habe 3 Kinder und kann nur sagen, dass es kein Patentrezept gibt. Alle 3 sind zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Wegen trocken geworden und meine Frau und ich haben sie begleitet, angeleitet und unterstützt. Hat alles geklappt, auch ohne KA.

    Grüße!

  2. Yvonne Salmen sagt:

    Im Grunde genommen bin ich auch eher dafür, in solchen Dingen der Natur ihren Lauf zu laufen. Nach dem Motto: Trocken werden sie alle.

    Doch ab einem gewissen Alter leidet das Seelenleben eines Kindes schon sehr, wenn alles immer „in die Hose geht“. Spätestens in der Schule ist das dann gar nicht mehr witzig. Bevor ein Kind zum Gespött der Altersgenossen wird, ist der Gang zum Arzt wirklich angebracht!

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